Finn

Ich weiß nicht mehr, wann das letzte Mal Freunde bei mir waren. Ich will das nicht mehr. Die stören und machen alles unordentlich.

Auch meine Eltern dürfen nicht in mein Zimmer. Wenn sie etwas von mir wollen, müssen sie in der Tür stehen bleiben. Bei mir hat alles seinen Platz. Nichts in meinem Zimmer darf schief sein. Das bringt Unglück.

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Sybille

Am schlimmsten ist es beim Schulschwimmen. Da will ich am liebsten krank sein oder es so gut haben wie Rukiye aus der Klasse, die ist immer entschuldigt wegen ihrer Religion. Schon schlimm genug, dass ich mich mit den anderen duschen muss. Voll der Krampf. Aber dann raus im Badeanzug zum Schwimmen mit den Jungs – der Horror!

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Tanja

Den ganzen Tag sitze ich rum. Erst in der Schule und dann zu Hause. Boah, ist mir langweilig. Was kann ich denn machen? Keiner ruft mich an. Bin ich echt so langweilig? Ja gut, bei einer Party sitze ich eh nur in der Ecke, aber das ist doch nicht schlimm, oder? Ich mach doch gar nichts.

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Siggi

Niemand hält mich aus. Ich mich manchmal auch nicht. Alle regen sich darüber auf, dass ich immer hippelig bin und sie sagen, sie verstehen mich nicht. Manchmal reagiere ich so und fünf Minuten später wieder anders. Aber ich kann halt nicht raus aus meiner Haut. X-mal habe ich es schon probiert, ruhig zu bleiben. Aber irgendwie schaffe ich das nicht.

Wie heute im Unterricht. Alle gucken dann. Meine Lehrerin schaut ganz streng, die Mädchen kichern. Auch Martha, die ich ganz nett finde. Und die Jungs verdrehen genervt die Augen. Ich werde rot und wütend und will raus. Ich kann nicht auf dem Stuhl sitzen bleiben. Ich bin dann rausgelaufen. Die Lehrerin mir hinterher.

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Jens

Ich hasse diesen Moment. Diesen Moment, wenn der Lehrer herumgeht und die korrigierten Klassenarbeiten austeilt. Ich habe jedes Mal das Gefühl, die ganze Klasse kann sehen, was bei mir draufsteht. „Ich hab eine Zwei“ – „Ich auch“, sagen die anderen dann. Bei mir ist es mit Glück eine Vier. Ich bin schon gut dran, wenn ich nicht wieder anfange zu heulen. Ich bin einfach nicht gut genug.

Dabei ist es nicht so, dass ich mich nicht anstrengen würde. Nachmittage lang sitze ich am Schreibtisch. Wenn die nächste Arbeit ansteht, ist für Tage nichts außer Lernen angesagt. Lernen, mies drauf sein, heulen. Vor meiner Mutter verstecke ich mich dann oft, weil ich glaube, dass sie mehr von mir erwartet. Dabei hänge ich mich echt rein.

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Dora

Wenn ich meine neue Adresse irgendwo angebe, verschreibe ich mich manchmal noch. Und will erst die alte angeben. Das ist zwar unsere neue kleine Wohnung, aber noch kann ich mich nur schwer daran gewöhnen. Wenigstens ist es jetzt wieder friedlich zu Hause und ich komme nicht mit eingezogenem Kopf durch die Tür, in der Angst, dass wieder die Fetzen fliegen.

Ich dachte immer, dass wir als Familie doch ohnehin nur ein paar Jahre zusammen haben, bis meine Schwester und ich ausziehen. Noch nicht mal die haben wir jetzt mehr. Ich frage mich manchmal, was das noch bringt, nur mit meiner Mutter auf Familie machen, wo doch klar ist, dass das für sie mit meinem Vater echt vorbei ist.

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Moritz

Ich hatte mir fest vorgenommen, mich zu melden. Wir hatten Geschichte. Da bin ich ganz gut drin und ich mag Frau Heiße, meine Lehrerin. Die Frage zu den Kreuzzügen ist super einfach und ich nehme all meinen Mut zusammen und melde mich.

Alle gucken mich an, als Frau Heiße mich aufruft. Hinten tuscheln welche. Bestimmt machen die Witze über mich. Heiß und kalt gleichzeitig wird mir. Wie bei einer Grippe oder so. Ich bin knallrot im Gesicht und kann nichts machen, nur doof glotzen und mich nicht bewegen. Dann gucken mich alle noch mehr an und denken bestimmt: „Der hat doch ne Mega-Macke!“

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