All posts by gschwarz

Moritz

Ich hatte mir fest vorgenommen, mich zu melden. Wir hatten Geschichte. Da bin ich ganz gut drin und ich mag Frau Heiße, meine Lehrerin. Die Frage zu den Kreuzzügen ist super einfach und ich nehme all meinen Mut zusammen und melde mich.

Alle gucken mich an, als Frau Heiße mich aufruft. Hinten tuscheln welche. Bestimmt machen die Witze über mich. Heiß und kalt gleichzeitig wird mir. Wie bei einer Grippe oder so. Ich bin knallrot im Gesicht und kann nichts machen, nur doof glotzen und mich nicht bewegen. Dann gucken mich alle noch mehr an und denken bestimmt: „Der hat doch ne Mega-Macke!“

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Lisa

Es taucht auf in Albträumen, manchmal auch aus heiterem Himmel mitten am Tag. Nach solchen Träumen habe ich furchtbare Angst und fühle mich allein. Verkrieche  mich am liebsten in meiner Decke. Ich will mich nicht mehr erinnern. Also stehe ich auf, oft schon sehr früh, stelle mich unter die Dusche und lasse das warme Wasser laufen, bis das Bad schon ganz vernebelt ist. Aber warm ist mir dann trotzdem nicht. Ich fühle mich so abgeschnitten von der Welt.

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Paul

Seither mag ich keine Autobahnen mehr. Schon wenn ich das Schild zur Auffahrt sehe, mein Vater beschleunigt, dann bekomme ich dieses flaue Gefühl im Magen.

Dann kommen die Bilder immer wieder zurück: Wie wir im Stau stehen, langsam an den Unfall heranfahren und wie mich plötzlich das Entsetzen packt. Es war kalt und es regnete. Der Regen prasselte laut auf unser Auto. Das Unfallauto war rot und ich habe nicht wegschauen können. Diese Bilder und Geräusche kommen und kommen immer wieder und gehen nicht mehr weg. Ich weiß nicht, was ich dagegen tun kann.

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Tatja

Die Pausenhalle ist das Schlimmste. Manchmal ist es beim Kiosk auch schwierig, aber die Pausenhalle ist mit Abstand das Schlimmste.

Da sind sie dann alle, sitzen am Tisch direkt am Eingang und gucken und flüstern und lachen. Das Lachen ist das Schlimmste! Man fühlt sich so alleine irgendwie, keiner will mehr mit einem reden, wenn die anderen so tuscheln. Ich gehe lieber schon in die Klasse, einfach den Kopf gesenkt halten und hoffen, dass mich niemand sieht. Immer weitergehen, Hauptsache, ich treffe nicht ihre Blicke!

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Britta

Scheiße, der Wecker. Schon wieder in die Schule. Ich will nicht in die Schule. Ich will nicht aufstehen. Bin schon kaputt, wenn ich morgens aufwache. Könnte einfach im Bett liegen bleiben. Aus dem Fenster gucken und weinen. Ist doch alles kacke. Macht alles überhaupt keinen Sinn.

Ich will einfach weiter in meinem Bett liegen und nichts mitbekommen von der blöden Welt da draußen. Ach man, ich könnte schon wieder heulen. Alles ist schwarz und schwer wie Blei.

Das bringt doch eh nichts in der Schule.

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Lorenz

Es fühlt sich an wie hinter einer Glasscheibe. Als wäre ich eine Schaufensterpuppe und schaue den Menschen da draußen beim Leben zu. Sie stehen auf, gehen in die Schule oder zur Arbeit, kochen Ewigkeiten etwas, das sie dann gleich wieder aufessen. Nichts bleibt.

Wozu das alles? Am Ende sind wir doch alle tot und alles war umsonst. Ich verstehe nicht, was die Leute hinter der Scheibe antreibt. In mir ist alles leer. Manchmal halte ich das nicht mehr aus und wünsche mir, dass es aufhört.

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Anna

Es ist immer schwer, wenn jemand stirbt, den man liebt, aber wenn es die eigene Mutter ist, ist es fast nicht zu ertragen. Es brennt irgendwie, es fühlt sich so an, als würde es nie wieder besser gehen, und man versucht, sich daran festzuhalten, dass es für den kranken Menschen eine Erlösung ist. Das ist das Einzige, was hilft, aber der Schmerz ist trotzdem da. Der Schmerz, die Trauer, die Ohnmacht, die Gleichgültigkeit für alles andere.

Ich war mir vorher nicht sicher, ob ich wirklich zu diesem Familientreffen will. Jetzt finde ich ganz gut, die anderen zu sehen, zusammenzusitzen, zu reden.

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